Praxisleitfaden


Der „Praxisleitfaden auffällige Schülerinnen und Schüler“ war im Jahr 2015 in der TOP 10 der ​eingereichten Bücherempfehlungen bei referendartipp.de

Was ist die Grundidee des Buches?

Das Buch richtet sich an Lehrkräfte ohne Zusatzausbildung in Beratung oder Psychologie, ist im April 2015 beim BELTZ-Verlag erschienen und kostet 24,95€. Uta Englisch (Schulpsychologin, Seminarlehrerin und Mitarbeiterin des ISB, München), Tobias Tretter (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik an der Universität Augsburg) und ich möchten damit Lehrkräften in ihrer täglichen Arbeit mit Schülerinnen und Schülern unterstützen, die ihnen „auffallen“.

Es gibt viele Bücher über den Umgang mit „störenden“ Schüler*innen- was ist die Besonderheit dieses Werks?

  • Das Werk ist fundiert und dennoch sehr praxisnah: Es sind einladende und nachgewiesenermaßen hilfreiche Handlungsempfehlungen formuliert
  • Wir haben vorab die Bedarfe verschiedenster Akteure gesammelt, incl. einer repräsentativen Befragung von Lehrkräften in Bayern
  • Wir konnten wissenschaftlich arbeitende Praktiker als Autor_inn_en gewinnen, die ihre Expertise in dem jeweils passenden Bereich einbrachten und sorgen dennoch für
  • einen roten Faden, der sichtlich das ganze Buch durchzieht und es sehr gut lesbar macht.
  • In den Entstehungsprozess wurden Studierende einbezogen (im Sinne forschender Lehre), die z.B. zu verschiedenen Details ihre Abschlussarbeiten geschrieben haben.
  • die von den Autoren formulierten Empfehlungen haben das Herausgeberteam sowie weitere Expert_innen mit passender Empirie und Theorie, aber auch Praxiserfahrungen angereichert
  • Das Buch zielt darauf ab, dass Lehrkräfte wieder Kraft schöpfen und nach und nach eine ethische Grundhaltung gewinnen. Dies wurde in einer Rezension (Zeitschrift Schulpädagogik heute) wie folgt beschrieben: „[…] die grundsätzliche Haltung, die sich in allen Beiträgen aneinander anknüpfend findet, trägt sicher zu einer diversitätssensiblen, ressourcenorientierten Grundhaltung der Leser_innen bei […].“

Wie ist das Buch aufgebaut?

Der Praxisleitfaden besteht aus zwei großen Teilen. Zu Beginn stehen Ideen für eine hilfreiche Haltung und gesundes Handeln in sechs Schritten. Diese Schritte sind jeder für sich klein und handhabbar, ergeben aber gemeinsam einen guten Plan für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die Lehrkräften „auffallen“.

  • Erstens werden Ideen für eine gezielte und handhabbare Beobachtung gegeben
  • Zweitens Tipps zum Führen von Gesprächen mit unterschiedlichen Beteiligten.
  • Drittens bieten wir Ideen, wie Lehrkräfte „trotzdem unterrichten“ können
  • Viertens geht es darum, wo und wie Lehrkräfte Hilfe aktivieren können,
  • Fünftens um das Erstellen eines Förderplans
  • und im sechsten und letzten Schritt um das Bewerten und Nachsteuern der vorangegangenen Schritte.

Im zweiten Teil des Buches sind knapp Informationen zu 38 Auffälligkeiten zusammengetragen – seien es Amoklaufgefährdung, Hochbegabung, Mobbing, Prüfungsangst, Hörschädigung, häusliche Gewalt etc. Die Beschreibungen haben wir entlang der Ergebnisse einer systematischen Befragung von 317 praktizierenden Lehrkräften in allen Schularten nach deren Bedürfnissen aufgebaut (Definition, Anzeichen und Hintergründe, Anregungen zum Umgang, weiterführende Information und Unterstützungsangebote für Schüler/innen, Eltern und Lehrkräfte).

Wie kann ich einen Einblick gewinnen?

Auf der Seite des Buches beim Beltz-Verlag finden hier ein Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe sowie die zugehörigen und frei herunterladbaren Online-Materialien.

Wir freuen uns sehr, dass die MAK-Kinderstiftung von dem Projekt begeistert war und uns daher finanziell unterstützte. Ohne diese Hilfe wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

Interview

Ein Interview, das „Inklusion in der Schule“ mit mir zum Praxisleitfaden geführt hat, können Sie hier als pdf abrufen.

Was sagen die bisherigen Leser des Buches?

Hier finden Sie Auschnitte aus und Links zu einigen Rezensionen

  • Referendare – Tipps, Rabatte und Vergünstigungen für Referendare am 19. Juni um 16:33: „`Praxisleitfaden auffällige Schüler und Schülerinnen`
    Es wird häufiger, es wird intensiver und von Lehrerinnen und Lehrern wird extrem viel erwartet. Dieses Buch wurde mir – obwohl ganz neu – nun schon mehrfach empfohlen. Es werden über 40 Auffälligkeiten besprochen und konkrete Handlungstipps gegeben!“
  • Marlies Butteweg am 27.8.2015 in ekz Bibliotheksservice
    „Dieser überaus hilfreiche Praxisratgeber, der auf Nachfrage von Studenten – mangels praxisorientierter Literatur über Auffälligkeiten bei Schülern – von Dozenten und einem professionellen Beraterkreis verfasst wurde, spiegelt sowohl große fachliche Kompetenz als auch praktische Erfahrung der Autoren wieder. Er überzeugt durch fundierte, gut verständliche theoretische Informationen und durch zahlreiche Hilfen für den Schulalltag, die umsetzbar und Erfolg versprechend sind. Die ersten Kapitel gehen auf den grundsätzlichen Umgang mit auffälligen Schülern ein, wie die Haltung der Lehrkräfte und diese beeinflussende Faktoren sowie die Dokumentation und bieten zum Vorgehen einen Leitfaden in 6 Schritten. 3/5 des Bandes umfasst die Besprechung nahezu aller auftretenden Auffälligkeiten, indem Symptome und Hintergründe, Anregungen zum Umgang mit betroffenen Schülern sowie weiterführende Infos und Hilfen mit Links dargestellt werden. Zusätzlich sind 59 S. unterstützende Materialien online abzurufen. Breiteste Empfehlung.“
  • Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 08.10.2015 in: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/18126.php
    […] Fazit: Der „Praxisleitfaden auffällige Schüler und Schülerinnen“ versucht eine Lücke in Ausbildung und Literatur zum guten Umgang mit Auffälligkeiten zu schließen mit dem Ziel, Lehrkräften den konstruktiven Umgang zu erleichtern. Die Autoren und Autorinnen hatten den Anspruch, wissenschaftlich gut fundiertes und gleichzeitig im Schulalltag umsetzbares, praktisch erprobtes Überblickswissen darzubieten. Wer auf der Suche nach Literatur für einen guten Umgang mit Schülerinnen und Schülern ist, die Lehrenden auffallen, der kann hier fündig werden. Vor dem aktuellen Hintergrund der Inklusion ist dieses Buch eine Pflichtlektüre in jedem Lehrerzimmer.“
  • Dr. Christa D. Schäfer „Unterrichtsstörungen und auffällige SchülerInnen“ vom 14.09.2015 in Mediation-Berlin-Blog, http://www.mediation-berlin-blog.com/2015/09/14/unterrichtsstoerungen-und-auffaellige-schuelerinnen/
    „[…] Das hier besprochene Buch ist gut ausgearbeitet und sehr empfehlenswert. Es bietet eine ausführliche Übersicht an theoretischem Wissen und einen ausführlichen Rahmen, um selbst handeln zu können. Pluspunkte sind außerdem die ausführliche Literaturliste und das Online-Material. Falls es in diesem Schuljahr also mal wieder „ernst“ wird: Buch besorgen“
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Diskussion des pädagogischen Quartetts

Auf der Facebook-Seite „Inklusion in der Schule“ diskutierte ein pädagogisches Quartett am 14.Dezember 2015 das Buch. Hier einige Ausschnitte:

Marcel Pilgermann:

„Der Praxisleitfaden (auffällige Schüler und Schülerinnen) bietet alles, was Lehrpersonen im Umgang mit diesen SUS benötigen. Es zeichnet sich durch ein gutes Verhältnis von Theorien und Beispielen aus, jedem theoretischen Abschnitt folgen hilfreiche Beispiele. Besonders gut gefällt mir die so oft gewählte Gegenüberstellung von „Wie lief es bisher ab?“ und „Wie mache ich es besser?“. Vieles war mir vorher nicht bewusst, insbesondere die theoretischen Ansätze. Diese werden trotz der relativ hohen Fachlichkeit verständlich erläutert. Übersichtlich und sehr detailliert werden die einzelnen Themengebiete dargestellt. Oft fehlen mir in anderen Büchern die Details, die Beispiele. Bisher habe ich auch kein.Buch gefunden, dass mir die Inhalte wie dieses so bieten konnte. Nun zu den Kapiteln:
1. Kapitel: ich finde es gut, dass der Begriff der Auffälligkeit so weit verstanden wird, sodass möglichst viele Arten miteingeschlossen werden. Auch gefällt mit die Vorgehensweise vom Allgemeinen/Grundlegenden zum Speziellen im Umgang mit diesen.
2. Kapitel: den Blick auf das zu richten, was funktioniert und nicht auf das, was fehlt (woww),ist wohl etwas, was vielen nicht bewusst ist. Daher ist dieses Kapitel für mich von hoher Relevanz, denn es.fordert auch die Auseinandersetzung der Lehrperson mit sich selbst (wo doch sonst nur der Blick auf SuS geht, ohne ihn auf sich zu lenken). Die theoretischen Aspekte waren hier sehr anziehend und haben zu einem besserem Verständnis des Gesamten beigetragen.
3. Kapitel: nachdem die Stresspersönlichkeiten vorgestellt wurden, habe ich versucht, mich dort wiederzufinden. Dabei ist mir aufgefallen, dass dieses Kapitel hilfreich sein wird, denn nach der Zuordnung sollte klar sein, dass man etwas ändern sollte, besonders im Fall der Risikogruppen. Interessant ist auch das Pareto-Prinzip, ich Kannte es nicht.
4. Kapitel: hier geht es um die Kooperation, die die Dokumentation, die Informationspflicht und die Schweigepflicht miteinschließt. Viele nehmen Probleme mit nach Hause und reden darüber, obwohl spätestens nach diesem Kapitel klar sein sollte, dass dies nicht der Fall sein darf.
5. Kapitel: das Vorgehen in sechs Schritten halte ich für eine gute Orientierung und einen guten Wegweiser. Deutlich wird auf die gezielte Beobachtung hingewiesen. Warum, wie und wann dies erfolgen sollte, wird ausführlich dargestellt. Mir fehlte hier ein Beispiel eines ausgefüllten Beobachtungsbogens, aber online ist dieser ja vorhanden. Dieses Kapitel war für mich eine super Erweiterung meiner gelernten Studieninhalte. Gerade die Fremdbeobachtung kann doch für Lehrpersonen entlastend sein. Auch die Tabelle zu Symptomen und Auffälligkeiten ist sehr hilfreich. Der Gesprächsleitfaden und die Gesprächsregeln stechen hervor. Dabei werden viele Aspekte berücksichtigt. Schön ist, dass die verschieden Arten von Gesprächen dargestellt werden und dazu, worauf jeweils zu achten ist. Weiterhin ist es gut, zu wissen, wer zu welchem Anlass angesprochen werden kann. Dieses Wissen fehlte mir gänzlich. Toll finde ich das Flussdiagramm am Ende des Kapitels, da man an diesem die Schritte gut verfolgen kann.
6. Kapitel: es berücksichtigt zahlreiche Auffälligkeiten und stellt sie präzise vor. Dies ist notwendig, um Hypothesen aufstellen zu können. Die Anregungen im Umgang mit den einzelnen Auffälligkeiten und weitere Angebote gefallen mir gut. Bisher hatte ich keinen so gelungenen Überblick gefunden. Auch dieses Wissen fehlte mir, es ist aber notwendig für jede Lehrperson.
Insgesamt ist dieser Leitfaden eine grandiose Hilfestellung für den Einstieg in das Berufsleben. Denn, wenn auch im Studium einiges behandelt wurde, so konnte dies nicht alles sein und mir persönlich fehlte oft der praktische Bezug. Herzlichen Glückwunsch!“

Bianca Melchers:

Der Name des Buches lässt es bereits erkennen. Aus einem Bedürfnis der Praktiker heraus ist es für die Praxis entstanden. Das Inhaltsverzeichnis ist übersichtlich und lässt bereits die vielfältigen Aspekte, die im Buch besprochen werden erahnen. Positiv zu bewerten ist der Versuch eine negative Stigmatisierung zu vermeiden, indem ganz allgemein von „auffälligen“ Schülern gesprochen wird. Weiterhin positiv fällt auf, dass nicht nur Beeinträchtigungen wie sie einem als ersten in den Sinn kommen angesprochen werden. Neben diesen Klassikern des sonderpädagogischen Förderbedarfs, wie geistige und körperliche Beeinträchtigungen werden auch Ängste und Süchte aber auch Hochbegabung oder Zerrüttungen im Umfeld (Scheidung/Tod) betrachtet. Dem allgemeinen Trend folgend wird auch hier versucht von der ehemaligen Defizitorientierung abzukehren und zu einer ressourcenorientierten Einstellung zu gelangen. Es wird dem interessierten Lehrer nahegelegt diesen Perspektivwechsel zu vollziehen und einen zielorientierten, motivierenden und wertschätzenden Unterricht zu leben. Vor der Betrachtung der einzelnen Auffälligkeiten wird zuerst die Lehrerseite betrachtet und Hilfe zur Selbsthilfe dargestellt. Den Kern des Buches bildet schließlich die Erläuterung der verschiedenen Auffälligkeiten. Diese sind knapp (ca.4 Seiten) und übersichtlich. Neben einer kurzen Definition finden sich hier Symptome und Hintergründe sowie Anregungen zum Umgang mit den entsprechenden SuS. Ebenso werden Hinweise zu weiterführende Informationen und Unterstützungsangeboten gegeben. Hilfreich ist auch, dass jedem Kapitel eine Literaturliste angefügt ist. Das Buch ist gut belegt und verfügt auch über eine zusätzliche thematisch geordnete Liste der zitierten Literatur. Als Basiswissen und „Erste-Hilfe“ halte ich das Buch als hilfreich für die Praxis. Nicht vergessen sollte man jedoch den auch im Buch erwähnten Hinweis die SuS nicht nur als Symptom sondern ganzheitlich zu betrachten.“ […]

Da hatte ich doch ganz die Onlinematerialien vergessen. Positiv zu bewerten ist, dass sie das Buch sinnvoll ergänzen und zudem ebenfalls noch einmal hinreichend kommentiert sind, so dass man nicht zwingend immer auf das Buch zurückgreifen muss. Ebenfalls lobenswert ist, dass sie zum freien Download zur Verfügung stehen und somit jedem hilfreich sein können. Zu finden sind sie hier: Online-Materialien.

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